Ein Enterprise Model beschreibt ausgewählte Strukturen und Zusammenhänge eines Unternehmens in einer systematischen Darstellung. Dazu können Ziele, Fähigkeiten, Organisationseinheiten, Rollen, Prozesse, Informationen und Anwendungen gehören. Ziel ist ein gemeinsames Verständnis der für einen Zweck relevanten Unternehmensaspekte.
Wie funktioniert Enterprise Model?
Die Modellierung verwendet definierte Begriffe und Beziehungen. Sie kann grafisch, tabellarisch oder in einem formalen Metamodell erfolgen. Welche Sichten sinnvoll sind, hängt von der Entscheidung ab: Für eine IT-Transformation sind andere Details nötig als für eine Organisationsreform.
Abgrenzung und Grenzen
Ein Enterprise Model ist zunächst ein Unternehmensmodell. Es wird nicht allein durch seine Existenz zum digitalen Unternehmenszwilling. Dafür sind zusätzliche Anforderungen an die Verbindung mit realen Daten und die laufende Nutzung zu klären.
Beispiel aus der Unternehmenspraxis
Bei einer ERP-Einführung lässt sich sichtbar machen, welche Geschäftsprozesse bestimmte Datenobjekte verwenden, welche Abteilungen beteiligt sind und welche Anwendungen abgelöst werden sollen.
Worauf Unternehmen achten sollten
Der englische Begriff Enterprise Model ist fachlich eng mit „Unternehmensmodell“ verbunden. Die Begriffe können auf unterschiedliche methodische Schulen verweisen, sollten auf der Website aber konsistent erläutert werden.
Welche Unternehmensbereiche ein Enterprise Model verbinden kann
Ein Enterprise Model gewinnt seinen praktischen Wert durch die Beziehungen zwischen einzelnen Sichten. Eine Organisationseinheit erfüllt beispielsweise bestimmte Geschäftsaufgaben, nutzt Anwendungen und verantwortet Informationen. Ein isoliertes Organigramm zeigt diese Zusammenhänge nicht. Werden Ziele, Fähigkeiten, Prozesse, Organisation und IT-Anwendungen miteinander verknüpft, lassen sich Auswirkungen geplanter Maßnahmen nachvollziehen. Dafür braucht es eine konsistente Terminologie: Der Begriff Geschäftsprozess sollte in allen Darstellungen dieselbe Bedeutung haben. Unterschiedliche Fachabteilungen müssen sich zudem darauf verständigen, ob das Modell den aktuellen Ist-Zustand, einen geplanten Soll-Zustand oder mehrere Varianten beschreibt.
Methodische Grundlagen und Modellierungstiefe
Unternehmensmodelle lassen sich über Prozesslandkarten, Fähigkeitsmodelle, Informationsmodelle oder Architekturdiagramme aufbauen. Ein Metamodell legt fest, welche Arten von Elementen und Beziehungen zulässig sind. Dadurch kann eine Anwendung beispielsweise ermitteln, welche IT-Systeme eine bestimmte Geschäftsfähigkeit unterstützen. Die gewählte Detailtiefe muss zur Entscheidung passen. Für eine Managemententscheidung kann eine überschaubare Landschaft ausreichend sein, während die konkrete Migration eines ERP-Systems zusätzliche technische Zuordnungen benötigt. Zu frühe Vollständigkeitsforderungen verursachen häufig hohen Pflegeaufwand ohne entsprechenden Entscheidungsnutzen.
Nutzen bei Transformationen und Organisationsveränderungen
Bei einer Standortzusammenlegung lassen sich betroffene Leistungen, Teams, Anwendungen und Datenflüsse aus verschiedenen Perspektiven untersuchen. Das Modell hilft, Fragen nach Abhängigkeiten systematisch zu stellen, etwa welche Anwendungen an beiden Standorten unterschiedliche Stammdaten führen. Es beantwortet allerdings nicht automatisch, welche Veränderung wirtschaftlich optimal ist. Dafür sind zusätzliche Daten, Annahmen und Bewertungskriterien erforderlich. Ein Enterprise Model ist daher besonders als gemeinsame Referenz für Fachbereiche und Projektteams nützlich. Der Nutzen hängt davon ab, ob die erfassten Zusammenhänge richtig und rechtzeitig gepflegt werden.
Organisation der Modellpflege
Ein Unternehmen sollte Verantwortliche für Modellbestandteile und Freigaberegeln festlegen. Prozessverantwortliche können fachliche Abläufe bestätigen, IT-Verantwortliche Schnittstellen prüfen und die Unternehmensleitung Zielbilder freigeben. Änderungen sollten versioniert werden, damit ältere Entscheidungen nachvollzogen werden können. Gleichzeitig müssen Zugriffsrechte den Schutzbedarf sensibler Informationen berücksichtigen. Eine Modellierungslösung ersetzt nicht die fachliche Abstimmung. Ohne einen verbindlichen Pflegeprozess veralten Begriffe und Beziehungen, und das vermeintlich zentrale Unternehmensmodell wird zu einer weiteren widersprüchlichen Informationsquelle.
Häufige Fragen
Ist Enterprise Model das Gleiche wie Enterprise Architecture?
Ein Enterprise Model ist eine Repräsentation von Unternehmensaspekten. Enterprise Architecture umfasst zusätzlich Prinzipien, Zielbilder, Entscheidungen und Governance zur Gestaltung der Architektur.
Wann wird aus einem Enterprise Model ein Unternehmenszwilling?
Dazu sind vor allem der nachvollziehbare Bezug zu realen Daten, Aktualisierungsregeln und definierte Analysezwecke zu klären. Ein gemeinsames Modell allein erfüllt diese Anforderungen nicht zwangsläufig.
Praktische Prüffragen
- Wählen Sie die Modellperspektive anhand einer konkreten Entscheidung aus, etwa ERP-Ablösung, Standortkonsolidierung oder Veränderung von Prozesszuständigkeiten.
- Definieren Sie Fachbegriffe wie Geschäftsfähigkeit, Organisationseinheit und Anwendung so, dass unterschiedliche Abteilungen dieselben Beziehungen verstehen.
- Unterscheiden Sie bestätigte Ist-Beziehungen, geplante Soll-Verknüpfungen und noch zu prüfende Hypothesen durch geeignete Modellattribute.
- Wählen Sie einen Detaillierungsgrad, der die vorgesehenen Abfragen ermöglicht, ohne unnötige Pflegepflichten für jedes technische Einzelelement aufzubauen.
- Bestimmen Sie Eigentümer für Prozesse, Anwendungen und Informationsobjekte sowie Auslöser für notwendige Modelländerungen.
Gemeinsame Begriffe und Beziehungen
Ein Enterprise Model ist besonders dann nützlich, wenn unterschiedliche Fachbereiche über dieselben Unternehmensobjekte sprechen können. So sollte eine Geschäftsfähigkeit nicht mit der Anwendung verwechselt werden, die sie derzeit unterstützt. Ebenso sind die organisatorische Verantwortung für einen Prozess und seine technische Ausführung getrennte Beziehungen. Diese Unterschiede lassen sich in einem Metamodell definieren. Dadurch entstehen verknüpfbare Sichten, etwa ein Fähigkeitsmodell, ein Prozessmodell und eine Anwendungslandkarte. Die Struktur muss jedoch an die tatsächlich vorgesehenen Entscheidungen angepasst werden. Werden zu viele Beziehungen erfasst, steigen Erhebungs- und Pflegekosten; werden die falschen Beziehungen weggelassen, bleibt die erhoffte Auswirkungsanalyse unvollständig.
Nutzen bei einer IT- oder Organisationsänderung
Angenommen, ein Unternehmen will eine gewachsene CRM-Landschaft vereinheitlichen. Das Enterprise Model kann zeigen, welche Vertriebsprozesse welche Systeme verwenden, welche Datenobjekte mehrfach gepflegt werden und welche Teams an Änderungen beteiligt sind. Daraus lassen sich mögliche Risiken und notwendige Abstimmungen ableiten. Es folgt aber noch keine belastbare Aussage über Einsparungen: Lizenzkosten, Migrationsaufwand und organisatorische Auswirkungen müssen getrennt untersucht werden. Besonders wichtig ist, geplante Soll-Zustände und bestätigte Ist-Informationen nicht zu vermischen. Ein verlässliches Modell sollte den Gültigkeitsstand wichtiger Elemente anzeigen und Verantwortliche benennen, die neue Beziehungen fachlich bestätigen können.
Verwandte Wiki-Begriffe
Weiterführende Erklärungen: Unternehmensmodell, Enterprise Architecture Management, Unternehmensmodellierung.
Fachliche Quellen
The Open Group – TOGAF und Enterprise Architecture. Ergänzende Beispiele und Entscheidungshinweise sind redaktionelle Einordnungen.