Unternehmensmodellierung ist die methodische Erstellung und Pflege von Modellen, die ausgewählte Elemente und Zusammenhänge einer Organisation beschreiben. Sie verbindet je nach Auftrag strategische, organisatorische, prozessuale und technische Perspektiven.
Methodik und Funktionsweise
Eine Modellierungsinitiative legt zunächst Zweck, Zielgruppen und erforderliche Sichten fest. Anschließend werden beispielsweise Geschäftsprozesse, Fähigkeiten, Organisationseinheiten, Anwendungen und Datenobjekte erfasst und über ein gemeinsames Begriffsmodell verbunden.
Abgrenzung und Grenzen
Es gibt kein für alle Zwecke vollständiges Unternehmensmodell. Ein Modell für Risikomanagement unterscheidet sich von einem für ERP-Transformation. Die Methode ist außerdem von der laufenden Datenanbindung eines digitalen Unternehmenszwillings abzugrenzen.
Praxisbeispiel
Bei der Einführung einer neuen Unternehmenssoftware kann die Modellierung zeigen, welche Funktionen, Daten und organisatorischen Zuständigkeiten angepasst werden müssen.
Voraussetzungen und Hinweise
Entscheidend sind überprüfbare Aussagen, klare Eigentümerschaft und die Pflege der Beziehungen. Eine große Menge modellierter Objekte ist noch kein Nachweis für einen praktischen Nutzen.
Ziele und Grenzen der Modellierung festlegen
Unternehmensmodellierung erfasst ausgewählte Elemente einer Organisation in einem gemeinsamen Zusammenhang. Ausgangspunkt ist die Frage, welche Entscheidungen mit dem Modell vorbereitet werden sollen. Bei einer IT-Transformation kann die Anwendungslandschaft im Vordergrund stehen, bei einer organisatorischen Veränderung die Zuordnung von Rollen und Geschäftsprozessen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Datenquellen und Detaillierung. Vor einer umfassenden Erhebung sollten daher Untersuchungsbereich, zentrale Begriffe und erwartete Ergebnisse definiert werden. Ohne diese Eingrenzung wächst eine Modellsammlung leicht schneller, als sie sinnvoll genutzt und gepflegt werden kann.
Methoden und gemeinsam genutzte Modellelemente
Zur Unternehmensmodellierung können Prozesslandkarten, Fähigkeitsmodelle, Organisationssichten, Datenmodelle und technische Architekturansichten gehören. Ein Metamodell definiert, welche Beziehungen zwischen diesen Elementen sinnvoll sind. Beispielsweise unterstützt eine Anwendung eine Geschäftsfähigkeit und verarbeitet bestimmte Informationsobjekte, während ein Geschäftsprozess diese Fähigkeit nutzt. Werden solche Verknüpfungen konsistent erfasst, lassen sich übergreifende Fragen bearbeiten. Allerdings muss festgelegt werden, ob eine Beziehung fachlich bestätigt oder lediglich vorgeschlagen wurde. Ein formales Modell sollte keine unbegründete Gewissheit über tatsächliche Abhängigkeiten vermitteln.
Beitrag zu Transformation und Unternehmenssteuerung
Ein gemeinsames Modell kann zeigen, welche Prozesse, Organisationseinheiten und Systeme von einer geplanten Maßnahme betroffen sind. Bei einer ERP-Konsolidierung lassen sich beispielsweise doppelt genutzte Anwendungen und unterschiedliche Stammdatenstrukturen identifizieren. Daraus entstehen Arbeitshypothesen für Fach- und IT-Teams. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit muss gesondert berechnet werden. Ein Unternehmensmodell unterstützt zudem die Kommunikation zwischen Verantwortlichen, die denselben Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Voraussetzung ist, dass Inhalte fachlich abgestimmt und die verwendeten Begriffe für die Beteiligten verständlich sind.
Qualität und Weiterentwicklung des Modellbestands
Für eine dauerhafte Nutzung sind Datenverantwortliche, Änderungsprozesse und eine erkennbare Versionierung notwendig. Modelle sollten dort aktualisiert werden, wo sich reale Prozesse oder Architekturen verändern. Außerdem ist ein Verfahren nötig, um widersprüchliche Angaben aus mehreren Quellen aufzulösen. Der Nutzen eines Unternehmensmodells lässt sich nicht an der bloßen Zahl erfasster Objekte ablesen. Relevant ist, ob wichtige Entscheidungen auf aktuelle, nachvollziehbare Beziehungen zurückgreifen können. Ein digitaler Unternehmenszwilling kann solche Modelle nutzen, erfordert aber darüber hinaus definierte Datenverbindungen und Analysefunktionen.
Häufige Fragen
Welche Vorkenntnisse braucht ein Unternehmen für den Einstieg?
Vor allem eine klare Fragestellung, fachliche Ansprechpartner und verfügbare Informationen über relevante Prozesse, Rollen oder Systeme. Eine umfassende Plattform ist nicht zwingend erforderlich.
Was unterscheidet Unternehmensmodellierung von Process Mining?
Unternehmensmodellierung erstellt strukturierte Beschreibungen von Unternehmensaspekten. Process Mining untersucht tatsächliche Abläufe anhand geeigneter Ereignisdaten.
Praktische Prüffragen
- Bestimmen Sie zu Beginn, welche Geschäftsfragen die Unternehmensmodellierung beantworten soll, um unnötige Datenerhebung und Modellkomplexität zu vermeiden.
- Definieren Sie ein gemeinsames Metamodell für Prozesse, Fähigkeiten, Organisationseinheiten und Anwendungen, bevor diese unabhängig voneinander dokumentiert werden.
- Prüfen Sie wichtige Beziehungen mit fachlichen Verantwortlichen und markieren Sie Annahmen, die nicht durch bestehende Unterlagen oder Daten bestätigt sind.
- Nutzen Sie die Modellbeziehungen für konkrete Auswirkungsanalysen, etwa bei Datenmigration oder Standortkonsolidierung, und bewerten Sie Kosten gesondert.
- Regeln Sie Modelländerungen, Versionen und Eigentümerschaft, damit strategische Entscheidungen nicht auf überholten Organisations- oder Systeminformationen beruhen.
Sichten und Abhängigkeiten methodisch verbinden
Unternehmensmodellierung verbindet ausgewählte Perspektiven einer Organisation, beispielsweise Geschäftsziele, Prozesse, Rollen, Anwendungen und Daten. Die Sichten können unabhängig erstellt werden, benötigen für übergreifende Analysen aber ein gemeinsames Begriffsmodell. Ein Prozess sollte nicht in einer Darstellung als Organisationseinheit und in einer anderen als technische Schnittstelle verstanden werden. Ein Metamodell legt deshalb fest, welche Elemente es gibt und wie sie sich miteinander verbinden lassen. Diese Struktur erleichtert spätere Auswirkungsanalysen, etwa bei einer geplanten ERP-Ablösung. Die Modellierungstiefe sollte sich an tatsächlichen Entscheidungen orientieren; eine möglichst vollständige Erfassung ohne klaren Nutzen erzeugt hohe Kosten für Aufnahme und Pflege.
Einführung in einem begrenzten Unternehmensbereich
Ein sinnvoller Ausgangspunkt kann ein konkreter Veränderungsfall sein, beispielsweise die Zusammenführung zweier Auftragsprozesse. Das Projektteam erfasst die dafür relevanten Organisationseinheiten, Anwendungen, Verantwortlichkeiten und Datenobjekte. Anschließend wird geprüft, welche Beziehungen tatsächlich bestehen und wo nur Annahmen vorliegen. So entsteht ein Modell, das eine definierte Entscheidung nachvollziehbar unterstützt. Bei Erweiterungen auf weitere Prozesse und Standorte müssen Fachbegriffe und Datenstrukturen konsistent bleiben. Dafür sind Eigentümer von Modellen und ein Verfahren zur Aktualisierung erforderlich. Erst wenn die Inhalte belastbar gepflegt werden, eignet sich das Unternehmensmodell auch als mögliche Grundlage eines laufend datenverbundenen digitalen Unternehmenszwillings.
Verwandte Wiki-Begriffe
Weiterführende Erklärungen: Unternehmensmodell, Enterprise Model, Enterprise Architecture Management.
Fachliche Quellen
The Open Group – TOGAF für Enterprise Architecture. Praxisbeispiele sind redaktionelle Szenarien ohne behaupteten Kundenbezug.